Standort: Spitzer Ergotherapie » Ergotherapie » Sensorische Integration
SI bedeutet sensorische Integration und gehört zur normalen menschlichen Entwicklung dazu. Sie findet alltäglich statt und meint die Aufnahme der Sinnesreize über unsere Sinnessysteme (Haut, Hände, Gleichgewicht, Muskeln, Gelenke, Ohren, Augen, Nase, Mund/Zunge), deren Weiterleitung über das Nervensystem und Verarbeitung im Gehirn. Darauf kann dann eine an die Situation angepasste Reaktion erfolgen, die meist in einer Handlung sichtbar wird.
Sensorische Integration beginnt bereits im Mutterleib und setzt sich lebenslang fort. Sie ist die Grundlage für den Erwerb von Bewegung, Handlungsfähigkeit, Sprache, Interaktion und Lernen und entwickelt sich in der frühen Kindheit besonders rasch.
Die Begründerin dieser Therapie, Dr. A. Jean Ayres, kommt aus den USA. Sie war Ergotherapeutin und Psychologin und lebte von 1920 – 1988 in Los Angeles. In einem Forschungsprojekt, das sich mit den Ursachen von Lernstörungen bei Kindern befasste, fand sie heraus, dass Lernprobleme gehäuft auftraten, wenn auch Störungen in der Verarbeitung von Sinnesreizen zu beobachten waren.
Daraufhin hat sie ein Konzept zur Behandlung von Wahrnehmungs- und Verarbeitungs- störungen, die sog. Sensorische Integrationstherapie (SI-Therapie), entwickelt, das weltweite Verbreitung gefunden hat.
Zu Beginn der Therapie steht eine differenzierte Befundaufnahme mit einer ausführlichen Befragung zur sensomotorischen Entwicklung (sensorisch = die Sinne betreffend, motorisch = die Bewegung betreffend) und der Reaktion des Kindes auf Sinnesreize, gezielten Beobachtungen und wenn notwendig spezielle Tests zur sensorischen Integrations- und Wahrnehmungsentwicklung. Daraus ergibt sich dann der Befund, der die Stärken und Schwächen der Sinnesverarbeitung aufzeigt. Zusammen mit dem Kind und den Eltern wird ein anzustrebendes Ziel zur Verbesserung der sensorischen Integration formuliert.
Im Verlauf der Therapie werden dem Kind sensorische Angebote gemacht, die dem aktuellen Leistungsniveau entsprechen. Dadurch spricht der Therapeut die innere Motivation des Kindes an und es beginnt weiterführende motorische Aktivitäten zu entwickeln. Dabei ist die ständige Kontrolle der Art und Dosierung der Angebote die wichtigste Aufgabe des Therapeuten.
Zu Beginn der Behandlung liegt der Schwerpunkt auf der Förderung der taktil-kinästhetischen (das Spüren und die Eigenwahrnehmung des Körpers betreffend) und vestibulären (das Gleichgewicht betreffend) Sinnessysteme, da deren gute Integration Voraussetzung für höhere kognitive Leistungen ist.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Einbeziehen des sozialen Umfelds in den Therapieverlauf, um eine gute sensorische Integration zu unterstützen.
Diese Form der Therapie ist für jedes Alter geeignet. Da aber die Plastizität und Formbarkeit des Nervensystems mit dem Alter abnimmt, hat man die größten Erfolge mit diesem Konzept, wenn es in den ersten Lebensjahren angewendet wird.